Kurden stellen in Europa einen erheblichen Anteil an der Bevölkerung mit Zuwanderungsgeschichte dar. Ihre Zahl wird auf knapp zwei Millionen geschätzt.

Wie andere Migranten auch kamen unsere Eltern und Großeltern als Arbeitsmigranten, sehr viele auch als politische Flüchtlinge. Gemein ist uns allen, dass wir in Europa unsere Heimat gefunden haben, einen Raum der Freiheit und des Rechts, in dem wir uns als Individuen frei entfalten können.

Insbesondere die jüngere Generation macht zunehmend von der Möglichkeit Gebrauch, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Kurdischstämmige Ärztinnen und Ärzte, Ingenieurinnen und Ingenieure, Lehrerinnen und Lehrer, Betriebs- und Volkswirtschaftler sowie Juristinnen und Juristen sind und werden ein zunehmend fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens sowie des Arbeitsmarktes in Europa.

Als Akademiker kurdisch-europäischer Herkunft fühlen wir uns verpflichtet und sind geradezu dafür prädestiniert innerhalb und außerhalb Europas menschliche Brücken zu schlagen. Viele von uns verwirklichen dies bereits seit langem auf individueller Ebene und in lokalen Vereinen. Mit der Gründung der Kurdisch-Europäischen Gesellschaft e.V. haben wir unsere Energien gebündelt und eine neue, dynamische Plattform für unser Engagement geschaffen. Unsere fachliche und interkulturelle Expertise wollen wir in einer immer vielfältiger werdenden Gesellschaft in Europa einbringen.

Wir werden uns für die Zusammenarbeit zwischen den verschiedensten Institutionen in Europa und den entsprechenden Institutionen in den mehrheitlich von Kurden besiedelten Regionen im Nahen Osten einsetzen. In diesen Regionen wollen wir uns für das Selbstbestimmungsrecht der Kurden, für rechtsstaatliche und demokratische Strukturen sowie für Menschen- und Minderheitenrechte einsetzen.

Vor allem die mehrheitlich kurdisch bewohnten Teile des Iraks und Syriens sind durch den Vormarsch der Milizen des sogenannten Islamischen Staates in den Fokus der internationalen Berichterstattung gerückt.

In der Türkei bahnten sich zunächst nach Jahrzehnten bürgerkriegsartiger Auseinandersetzungen mit vielen Opfern auf beiden Seiten wichtige Entwicklungen an, die eine demokratische Teilhabe des kurdischen Bevölkerungsanteils erstmals realistisch erscheinen ließen. Spätestens seit dem Putsch in der Türkei ist die Zukunft der kurdischen Volksgruppe jedoch ungewiss und unter den gegebenen Umständen eine friedliche Lösung der Kurdenfrage in weiter Ferne.

Auch in Iranisch-Kurdistan gibt es aktuell keine Aussicht auf die Anerkennung kollektiver Rechte für Millionen von Kurden.

Unabhängig vom jeweiligen Land und der speziellen Situation ist allen Kurden in der Region gemein, dass sie Unterstützung in ihrer demokratisch-rechtsstaatlichen Entwicklung benötigen.

Zudem gilt es, die passenden rechtlichen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und Unternehmen zu schaffen, um internationale Investitionen in den Regionen attraktiver zu gestalten und somit auch demokratisch-rechtsstaatliche Strukturen zu fördern.

Bei der Umsetzung unserer Arbeit vertreten wir keine vorgegebenen rechtlich-politischen Lösungen. Vielmehr möchten wir unser Fachwissen teilen, dessen Anwendung sich in Europa bewährt hat.

Wichtig für uns sind darüber hinaus die Belange der (Migranten-) Bevölkerung, insbesondere der kurdischen Gemeinde in den unterschiedlichsten Ländern in Europa. Deshalb wollen wir Beiträge zum europäischen Asyl- und Ausländerrecht leisten und die Zuwanderungsdebatte mitprägen.

Mitglieder unserer Vereinigung sind Wissenschaftler, Beamte, Akademiker unterschiedlichster Fachrichtungen und Studierende aus ganz Europa.

Wer sich von unseren Zielen angesprochen fühlt, ist herzlich eingeladen, sich aktiv einzubringen. Die Kurdisch-Europäische Gesellschaft sowie ihre Mitgliedsvereine sind offen für Alle, gleich welcher Herkunft sie sind.

Wir legen Wert darauf, dass wir parteilich, politisch und wirtschaftlich vollkommen unabhängig sind. Willkommen ist jeder, der unser Anliegen unterstützt und sich zu den Zielen und Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Europa bekennt.