Die türkische Regierung hat damit begonnen, die Höhlen der antiken Stadt Hasankeyf zu sprengen.  Dort ist ein riesiger Staudamm geplant, der dieses Jahr in Betrieb genommen werden soll. Das Ilisu-Überflutungsgebiet am Tigris liegt dort, wo die ersten Menschen zum seßhaften Leben übergingen und sich die ersten Menschheitskulturen entwickelten.

Hasankeyf hat eine große historische Bedeutung vor allem für die kurdische Bevölkerung, die seit Jahrhunderten dort ansässig ist. Die türkische Wasserpolitik sieht vor, den Tigris und den Euphrat in der Türkei mit riesigen Staudämmen zu stauen. Dazu soll Hasankeyf komplett vom Ilisu-Staudamm geflutet und dort ein riesiges Wasserkraftwerk gebaut werden. An der Finanzierung des Projekts beteiligen sich auch viele europäische Unternehmen.

Einzigartige historische Bauwerke werden damit verschwinden. Den Bewohnern wird nicht nur ihre Stadt genommen, sondern auch ein wichtiger Teil ihrer kurdischen Identität. Seit fast zwanzig Jahren versuchen Umweltorganisationen und Bewohner vergeblich, die 12.000 Jahre alte antike Stadt und das einzigartige Ökosystem des Tigris-Tals zu retten.

Der Bau des Staudamms dient unter anderem auch als Waffe, um mit Wasser Krieg gegen die Kurden in der Türkei und in Syrien zu führen. Mit ihren Staudämmen kann die Türkei Syrien und dem Irak das Wasser abdrehen. Gegen die Kurden und Christen in Nordsyrien wurde diese Waffe bereits eingesetzt.

Als Kurdisch-Europäische Gesellschaft (KES) verurteilen wir das Vorhaben der türkischen Regierung. Wir fordern die EU und internationale Öffentlichkeit auf, Druck auf die Türkei auszuüben, um die andauernden Repressionen gegen die kurdische Bevölkerung zu beenden und den Bau des Staudamms zu verhindern. Die geplanten Großprojekte zerstören eine einzigartige Natur und eine uralte Kultur. Die Bilder der gesprengten Höhlen erinnern an die Zerstörung der antiken Stätten in Palmyra durch den IS.