Wie kann Integration der Kurden in Europa gelingen?

Die Kurden sind das größte Volk auf der Welt ohne eigenen Staat. Bis zu zwei Million Kurden aus der Türkei, dem Irak, dem Iran und Syrien leben in Europa. Aufgrund vor allem politischer Verfolgung wurden die Kurden gezwungen, ihre Familien und Freunde sowie ihre Habseligkeiten zurückzulassen. Viele von ihnen sind immer noch von den Vorfällen in der (alten) Heimat traumatisiert.

Mittlerweile leben sie in zweiter und dritter Generation in den unterschiedlichsten Ländern in Europa. Die Verleugnung ihrer Identität und Sprache setzt sich auch in Europa fort. Die Öffentlichkeit hält sie für Türken, Araber oder Iraner. Die Politik ignoriert sie aus Angst vor Unmut der türkischen Gemeinde und lässt sie mit ihren sozialen, kulturellen, religiösen und politischen Problemen allein. Noch immer ist beispielsweise das Ezidentum als Religion, die es nur bei Kurden gibt, von keinem einzigen europäischen Land anerkannt. Dabei waren vor allem die Eziden Opfer von Verfolgung durch den sogenannten Islamischen Staat. Nicht wenige Kurden wenden sich daher von den Aufnahmeländern in Europa ab. In Extremfällen radikalisieren sich die Jugendlichen.

Wenn die politischen Entscheidungsträger in Europa die erfolgreiche Integration der Kurden in Europa voranbringen möchten, müssten sie auch Konzepte entwickeln, wie sie die Kurden als eigenständige Volks-und Migrantengruppe anerkennen. Die Anerkennung des Ezidentums könnte ein erster Schritt sein, der eine hohe Signalkraft hätte.

Angebot von Kurdischunterricht an beispielsweise deutschen, französischen und englischen Schulen neben den Bildungssprachen in den jeweiligen Ländern könnte ein weiterer Schritt sein. Unter Bildungsexperten ist es mittlerweile herrschende Meinung, dass Migrantenkinder eine Fremdsprache am besten erlernen, wenn sie die Muttersprache gut beherrschen.

Auch die Begleitung und Unterstützung bei Initiativen zu Städtepartnerschaften zwischen kurdischen und europäischen Städten, würden den Dialog auf beiden Seiten intensivieren und zu beidseitigem Verständnis beitragen.

Selbstverständlich ist Integration keine Einbahnstraße. Auch die kurdische Gesellschaft in Europa hat eine Bringschuld und muss ihren Beitrag zur erfolgreichen Integration leisten. Solange die Kurden keinen eigenen Staat haben, können Nichtregierungsorganisationen (NRO) eine wichtige Mittlerrolle übernehmen.

Kurdische NRO dürfen sich nicht ausschließlich als kurdische Interessenvertreter verstehen, sondern auch als deutsche, französische und englische Organisationen, die gesellschatliche Verantwortung übernehmen. Ihnen obliegt es, ihre Mitglieder über aktuelle Themen in den Aufnahmeländern zu informieren, Aufklärungsarbeit zu betreiben und Konzepte zu entwickeln, die den Abbau von Vorurteilen abbauen sowie Integration befördern.

Kahraman Evsen, Kurdisch-Europäische Gesellschaft